Das Schubert Theater!
Ein Theater in Wien wie aus einem Märchen gefallen. In einem Hinterhof des neunten Bezirks steckt es und ist innen so klein, dass man für den Sitzplatz nach dem Kartenholen noch einmal über den Hof gehen muss. Im Foyer hängen Puppen von den Decken – mit Händen aus Gummi, Köpfen aus Maché und Grimassen und damit fühlt man sich gleich in guter Gesellschaft. Ein kleiner wohliger Ort, das „Figurentheater für Erwachsene“. Wir waren vor Ort am Future Lab, dem KI-Festival, „analoge Theaterstücke mit digitalen Gaming-Inhalten und KI-Experimenten; Augmented Reality-Workshop & AR-Spaziergang; Future Talks“.
Das Schubert Theater
Let’s play I’m old and tired
Donnerstag, 19. Februar 2026
Wien-Premiere von Let’s play I’m old and tired, in Kooperation mit Theater im Bahnhof und dem Kollektiv Total Refusal
Eine sehr ungewöhnliche Vorstellung: ein Theaterstück, fünf Personen, ein Computerspiel als Medium, das auf der Projektionsfläche dahinter die verlängerte (oder eigentliche?) Bühne darstellt; einem Zweck dienend, für den es nicht geschaffen wurde. Der Protagonist als Erzähler, per Gamecontroller verbunden mit dem von ihm dirigierten Avatar; seine Geschichte: müde, ausgebrannt, Ruhe suchend, reflektierend, auf der Suche nach dem eigentlichen, wirklichen Leben – basierend auf Henry David Thoreaus „Walden oder Leben in den Wäldern“, auch hier an einem idyllischen See gelegen. Gesprochener Text verflochten mit der auf der Leinwand orchestrierten Handlung, verschiedene Kamera-Perspektiven, Schnitt, Musik und akustische Gestaltung verbinden die Schausteller zu einer Synthese aus Theater, Kino und Videospiel. Phantasievoll mit gesellschaftskritischen und philosophischen Gedanken, souverän mit Unwägbarkeiten umgehend, nehmen sie als eingespieltes Team das Publikum mit in ihre interaktiv geschaffene Welt. Nachdenklich, experimentell, sehenswert.
—Edi
Let’s play I’m old and tired, Foto: Johannes Gellner
Let’s play I’m old and tired, Foto: Johannes Gellner
„Processing Pinocchio“
Samstag, 21. Februar 2026
Heute sind wir zu Gast zu „Processing Pinocchio“, einem „KI-Theater nach Motiven von Carlo Collodi“, dem Erfinder von Pinocchio. Erinnert ihr euch an Pinocchio, die kleine Figur auf der Flucht vor bösen Gestalten, an das Unbehagen zwischen Märchen und Moral? Wir schon.
Auch hier ist Pinocchio eine Puppe aus Holz und Metall, mit beweglichen Armen, Beinen und einer Stimme. Geliefert in die Wohnzimmer dreier Menschen, um gegen Einsamkeit, Trauer oder Ängste zu helfen.
Wir sind überrascht: Wie schnell wir die Puppe als lebendig erleben – obwohl die Täuschung vor unseren Augen passiert: Die Schauspieler:innen bewegen die Puppe, geben ihr die Stimme und die Mimik von Pinocchio ist reduziert. Und doch! Gelingt es sofort, ihn als lebendig zu erleben: Ein geneigter, Kopf, eine Pause – die Gespräche sind feinfühlig getaktet, die Emotionen wohltemperiert. Zutiefst menschliche Gespräche im Dialog mit der Puppe, dem Roboter, einem Körper mit KI – oder doch den eigenen Erwartungen, dem Widerhall der eigenen Wünsche, dem algorithmisch berechneten Trost?
Dieses „Wenige“, das uns überzeugt und beklemmend gefangennimmt, ist natürlich das tolle „Viel“ der Schauspieler:innen, mit ihrem Gefühl für die Zeit, die Sprache und die passende Dynamik.
Es ist weniger gruselig als befürchtet, sanfte Dialoge, viel Gefühl. Und gerade deshalb beunruhigend.
—Sabine
Processing Pinocchio, Schuberttheater, Photo © Julia Braunegger
Future Lab 2026
19.–22. Februar 2026
Schubert Theater Wien, Währinger Straße 46, 1090
Mit: Theater im Bahnhof (Graz) & Total Refusal, Artificial Museum & Schubert Theater
schuberttheater.at/future-lab-2026
Herzlichen Dank an das Schubert Theater für das ausgezeichnete Festival.